Kein Tarif, aber klare Marktspannen
Kanzleien zahlen nicht nach Tarif. Es gibt weder für Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte noch für Steuerfachangestellte oder angestellte Berufsträger einen Flächentarifvertrag; Gehälter werden frei verhandelt. Trotzdem ist der Markt gut lesbar, weil vier Faktoren fast alles erklären: die Größe der Kanzlei, der Standort, das Fachgebiet und die Berufsjahre. Eine Notarfachangestellte in einer Frankfurter Großkanzlei verdient deutlich mehr als in einer Einzelkanzlei im ländlichen Raum, ein Associate im US-Big-Law das Doppelte eines Berufseinsteigers im Mittelstand.
Die Werte auf dieser Seite kommen aus zwei Quellen. Der Gehaltscheck nutzt den Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit mit bundesweiten Bruttomonatsgehältern in Vollzeit, Stichtag Ende 2025, jeweils unteres Viertel, Median und oberes Viertel. Der Rechner darunter arbeitet mit Marktspannen je Karrierestufe aus den Mission-Personal-Marktdaten 2026 und Branchenquellen wie dem Beck-Stellenmarkt, den JUVE-Karrieretabellen und den Berufsverbänden. Alle Angaben sind brutto; der Rechner zeigt zusätzlich das Netto nach Steuerklasse und Kirchensteuer.
Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte
Rechtsanwaltsfachangestellte verdienen nach Entgeltatlas im Median 3.472 Euro brutto im Monat; die mittlere Hälfte liegt zwischen 2.816 und 4.337 Euro. Berufseinsteigerinnen nach der dreijährigen Ausbildung starten in kleinen Kanzleien bei 2.400 bis 2.800 Euro, in Großstädten und Großkanzleien bei 3.000 bis 3.400 Euro. Mit fünf Jahren Erfahrung, Verantwortung für Fristen, Zwangsvollstreckung und Kostenrecht sind 3.500 bis 4.200 Euro üblich. Notarfachangestellte liegen traditionell darüber, weil Notariate stabil ausgelastet sind und Beurkundungen, Grundbuch- und Handelsregistersachen hohe Sorgfalt verlangen: 3.000 bis 3.600 Euro zum Einstieg, 4.000 bis 4.800 Euro mit Erfahrung.
Den größten Sprung bringt die Fortbildung zur Rechtsfachwirtin oder zum Notarfachwirt: Der Entgeltatlas weist für diese Spezialistenstufe einen Median von 4.884 Euro aus, die mittlere Hälfte reicht von 3.951 bis 5.826 Euro. Rechtsfachwirte übernehmen Büroleitung, Mandantenabrechnung und die Ausbildung des Nachwuchses. Viele Kanzleien zahlen die Fortbildung und gewähren Freistellung für die Prüfung.
Steuerfachangestellte, Steuerfachwirte und Buchhaltung
Steuerfachangestellte verdienen im Median 3.654 Euro brutto im Monat, die mittlere Hälfte zwischen 2.998 und 4.472 Euro. Der Markt ist leer: Steuerkanzleien suchen seit Jahren mehr Fachangestellte, als die Kammern ausbilden, weshalb erfahrene Kräfte mit DATEV-Praxis in Jahresabschluss und Steuererklärungen in Ballungsräumen 4.000 bis 4.800 Euro erreichen. Steuerfachwirte und Steuerassistenten mit bestandener Fachwirtprüfung liegen bei einem Median von 4.629 Euro, die Spanne reicht von 3.839 bis 5.772 Euro; wer parallel das Steuerberaterexamen vorbereitet, bekommt in vielen Kanzleien Freistellung und Kostenzuschuss.
Bilanzbuchhalterinnen und Bilanzbuchhalter mit IHK-Abschluss verdienen im Median 4.451 Euro, zwischen 3.601 und 5.641 Euro, in Steuerkanzleien meist am oberen Rand, weil sie dort Abschlüsse eigenständig erstellen. Finanz- und Lohnbuchhaltung liegt im Median bei 4.153 Euro; Lohnbuchhalter mit Erfahrung in Baulohn, Entsendung oder Branchentarifen sind gesucht und erzielen 4.500 Euro und mehr. Kanzleiassistenz und Sekretariat verdienen nach Entgeltatlas im Median 4.022 Euro, in Großkanzleien mit Fremdsprachen und Partnerassistenz deutlich darüber.
Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte: Vom Associate zum Partner
Angestellte Rechtsanwälte verdienen nach Entgeltatlas im Median 6.906 Euro brutto im Monat; das untere Viertel liegt bei 5.234 Euro, das obere Viertel über der Beitragsbemessungsgrenze und wird deshalb nicht ausgewiesen. Dahinter steckt die größte Spreizung aller Kanzleiberufe. Junior Associates in mittelständischen Sozietäten starten mit 60.000 bis 90.000 Euro im Jahr, im deutschen Big Law mit 110.000 bis 150.000 Euro, bei US-Kanzleien in Frankfurt und München mit bis zu 180.000 Euro plus Bonus. Senior Associates ab dem vierten Berufsjahr erreichen 130.000 bis 280.000 Euro, Counsel und Of Counsel 180.000 bis 350.000 Euro.
Salary Partner erhalten ein festes Gehalt zwischen 250.000 und 500.000 Euro ohne Gewinnbeteiligung, Equity Partner teilen den Kanzleigewinn: im Mittelstand 200.000 bis 500.000 Euro, in Großkanzleien 600.000 Euro bis über zwei Millionen. Großkanzleien vergüten meist im Lockstep, also nach Berufsjahren mit festen Stufen, und erwarten 1.800 bis 2.200 abrechenbare Stunden; der Mittelstand zahlt weniger, verlangt aber auch weniger Stunden. Fachanwaltstitel, Promotion und LL.M. zahlen sich vor allem beim Einstieg aus, danach zählen Mandate und Umsatz. Syndikusrechtsanwälte in Rechtsabteilungen liegen zwischen Mittelstand und Big Law, mit geregelten Arbeitszeiten.
Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Big Four
Angestellte Steuerberaterinnen und Steuerberater verdienen nach Entgeltatlas im Median 7.763 Euro brutto im Monat, das untere Viertel liegt bei 6.311 Euro, das obere über der Beitragsbemessungsgrenze. Nach bestandenem Examen sind 70.000 bis 90.000 Euro im Jahr der Einstieg, mit Mandatsverantwortung 90.000 bis 130.000 Euro, als angestellte Niederlassungsleitung oder mit Umsatzbeteiligung bis 250.000 Euro. Wer eine eigene Kanzlei gründet oder als Partner einsteigt, verdient abhängig vom Mandantenstamm darüber. Wirtschaftsprüfer starten nach dem Examen bei 90.000 bis 120.000 Euro, als Manager und Senior Manager bei 110.000 bis 200.000 Euro; Partner in WP-Gesellschaften liegen bei 250.000 bis 800.000 Euro.
Die Big Four, also PwC, KPMG, EY und Deloitte, haben eigene Gehaltsleitern: Associates in Audit, Tax und Advisory beginnen bei 55.000 bis 75.000 Euro, Senior Associates verdienen 70.000 bis 100.000 Euro, Manager 90.000 bis 140.000 Euro, Senior Manager 130.000 bis 200.000 Euro, Directors 180.000 bis 280.000 Euro und Partner 350.000 Euro bis 1,5 Millionen. Der Aufstieg folgt dem Prinzip Up-or-out: Alle zwei bis drei Jahre steht die nächste Stufe an oder der Wechsel in die Industrie, wo ehemalige Big-Four-Manager oft mit 30 Prozent Gehaltsplus landen. Steuerberater- und WP-Examen werden mit Freistellung und Kostenübernahme gefördert und sind die Eintrittskarte zur Managerstufe.
Standort, Kanzleigröße und Fachgebiet
Frankfurt, München, Düsseldorf und Hamburg zahlen in allen Kanzleiberufen 10 bis 20 Prozent über dem Bundesschnitt, weil dort die internationalen Mandate und die Großkanzleien sitzen. In Berlin ist der Markt groß, die Gehälter liegen aber eher im Mittelfeld; Leipzig, Dresden und die ländlichen Regionen zahlen unter dem Schnitt, bieten dafür niedrigere Lebenshaltungskosten und oft schnellere Verantwortung. Bei Anwälten ist das Fachgebiet der zweite große Hebel: M&A, Private Equity, Banking und Steuerrecht zahlen 25 bis 35 Prozent mehr als Familien-, Miet- oder Sozialrecht, auch weil die Mandanten andere Stundensätze akzeptieren.
Für Fachangestellte lohnt der Blick auf Kanzleityp und Zusatzleistungen: Notariate und Großkanzleien zahlen am besten, dazu kommen in vielen Kanzleien 13. Gehalt, Fahrtkostenzuschuss, Jobticket, Fortbildungsbudget und inzwischen regelmäßig Homeoffice-Tage. Die Stellenanzeigen auf Kanzleiwelt nennen zunehmend konkrete Gehaltsangaben; die Stadtseiten zeigen, wo gerade besonders viele Kanzleien suchen.
Ausbildung, Referendariat und Berufseinstieg
Auszubildende zur Rechtsanwalts-, Notar- oder Steuerfachangestellten erhalten je nach Kammerbezirk und Kanzlei zwischen 900 und 1.200 Euro im ersten und 1.100 bis 1.400 Euro im dritten Ausbildungsjahr; die Kammern veröffentlichen Empfehlungen, an die sich die meisten Kanzleien halten. Rechtsreferendarinnen und Rechtsreferendare bekommen vom Land eine Unterhaltsbeihilfe von rund 1.400 bis 1.700 Euro, Großkanzleien stocken in der Anwaltsstation mit 1.000 bis 3.000 Euro im Monat auf. Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter neben dem Referendariat oder der Promotion verdienen in Großkanzleien 30 bis 50 Euro die Stunde. Wer nach dem zweiten Examen mit zwei Prädikaten startet, hat die Wahl zwischen Mittelstand, Big Law und Rechtsabteilung und sollte neben dem Gehalt auf Stundenkultur, Fortbildung und Partnerperspektive achten.
So nutzt du die Spannen im Bewerbungsgespräch
Nenne eine Spanne statt einer Zahl und begründe sie mit Berufsjahren, Fortbildungen und dem Kanzleityp. Frag nach 13. Gehalt, Bonusmodell, Fortbildungsbudget und Homeoffice; in Kanzleien ohne Tarif sind diese Punkte Teil des Gehalts. Wer eine Fortbildung zur Rechtsfachwirtin, zum Steuerfachwirt oder das Steuerberaterexamen plant, verhandelt Freistellung und Kostenübernahme gleich mit. Der Gehaltscheck zeigt dir vorab, wo du im Vergleich stehst, der Rechner, was netto übrig bleibt, und die Berufsprofile nennen die üblichen Spannen je Beruf.
Häufige Fragen
Was verdient eine Rechtsanwaltsfachangestellte 2026?
Im Median 3.472 Euro brutto im Monat, die mittlere Hälfte zwischen 2.816 und 4.337 Euro nach Entgeltatlas. Notariate, Großstädte und Großkanzleien zahlen darüber, Rechtsfachwirtinnen erreichen im Median 4.884 Euro.
Wie viel verdient eine Steuerfachangestellte im Vergleich zur ReNo?
Etwas mehr: Der Median liegt bei 3.654 Euro gegenüber 3.472 Euro, das obere Viertel bei 4.472 Euro. Grund ist der Fachkräftemangel in Steuerkanzleien und die Verantwortung für Abschlüsse und Erklärungen.
Was verdient ein Junior Associate in der Großkanzlei?
Im deutschen Big Law 110.000 bis 150.000 Euro Grundgehalt im Jahr, bei US-Kanzleien in Frankfurt und München bis 180.000 Euro, jeweils plus 15 bis 25 Prozent Bonus. Mittelständische Sozietäten zahlen 60.000 bis 90.000 Euro.
Was verdient ein angestellter Steuerberater?
Nach Entgeltatlas im Median 7.763 Euro brutto im Monat; im Jahr sind 70.000 bis 130.000 Euro üblich, mit Umsatzbeteiligung oder Niederlassungsleitung bis 250.000 Euro.
Was verdient ein Partner bei den Big Four?
Equity Partner bei PwC, KPMG, EY und Deloitte verdienen 350.000 Euro bis 1,5 Millionen Euro im Jahr inklusive Gewinnbeteiligung; Tax- und Deal-Partner liegen oben, Top-Partner über einer Million.
Zahlen Notariate besser als Anwaltskanzleien?
In der Regel ja. Notarfachangestellte liegen mit 3.000 bis 4.800 Euro meist einige hundert Euro über Rechtsanwaltsfachangestellten, weil Notariate stabil ausgelastet sind und Beurkundungen hohe Sorgfalt verlangen.
Wie viel Netto bleiben von 3.600 Euro brutto als Steuerfachangestellte?
In Steuerklasse I rund 2.400 Euro, abhängig von Kirchensteuer und Krankenkasse. Der Rechner auf dieser Seite rechnet deine Spanne individuell um.